08.03.2014

Spannung und Entspannung: Projektchor alto e basso in der Kilianskirche

Heilbronn   Vokalensemble trägt Psalmvertonungen zur Passionszeit vor und überzeugt dabei.

Von Lothar Heinle

Es ist wohl der Traum eines jeden ambitionierten Chorleiters: Ein Vokalensemble mit maximal fünf Personen pro Stimme, das ausbalanciert im Klang ist und eine flexible dynamische Palette aufweist. Michael Böttcher hat sich diesen Traum vor zwei Jahren mit der Gründung des Projektchors alto e basso erfüllt. Für die Stunde der Kirchenmusik in der Kilianskirche stehen Psalmvertonungen zur Passionszeit auf dem Programm.

 

 

 

 

Alto e Basso Kilianskirche 08.03.14

Foto: Lisa Petereit       

Fühlbare Spannung und Entspannung im Klangaufbau zeichnen das Ensemble aus, lockerer Ansatz in den hohen Frauen- und Männerstimmen überzeugt ebenso wie ein fast samtig begütigendes Bassfundament. Im sechsstimmigen "Selig sind die Toten" von Heinrich Schütz gibt es weit atmende Bögen.

Viel zu wenig bekannt sind die Psalmvertonungen von Henry Purcell, alto e basso hat gleich mehrere im Gepäck: Vom achtstimmigen "Hear my Prayer" bis zu solistischen Einwürfen bei "Lord, how long wilt thou be angry" und "My Soul doth magnify the Lord" ist sprechende Klanggestalt angesagt.

Lieblingsmotto

Die dritte Symphonie von Henryk Mikolaj Górecki wurde ein weltweiter Hit, vier Jahre zuvor schrieb er die Psalmvertonung "Euntes ibant et flebant" (1972). Zwei Psalmtexte kreisen zwischen Weinen und Anbetung, alles schwingt um Goreckis Lieblingsmotto d-e-f. Feinste Klanglinien im Pianissimo werden ebenso greifbar geformt wie erschütternde dynamische Ausbrüche, bevor alles im D-Dur zur Ruhe kommt. Bachs frühe Motette "Ich lasse dich nicht" gefällt durch souveränes Ineinandergreifen zweier vierstimmiger Chöre. Natürlichkeit strahlt am Ende Telemanns "Selig sind die Toten" aus.

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