10.07.2016

Makellos, differenziert und rein

Vokalensemble alto e basso in der Böckinger Stadtkirche

Von Ulrich Enzel

HEILBRONN Eine erfreulich große Hörerschar hat sich zu sommerlicher Abendmusik in die Kühle der Pankratiuskirche eingefunden. Unter dem Motto „Jene Zeit“ bieten zwölf Frauen- und acht Männerstimmen neun wohltönende Kompositionen von der Renaissance bis zur Jetztzeit. Dicht und fein gewobene Klangteppiche, harmonische Geschmeidigkeit, ausgewogene Homophonie mit schlüssig abgestufter Dynamik sind die Basis für ein begeisterndes, vielfältiges, das alles Extreme vermeidet.

Markant Zwei Sätze aus Claudio Monteverdis „Missa in illa tempore“ lässt das Ensemble geschmeidig fließen. Bei Henry Purcells Magnificat dürfen einige der Vokalisten ihre hohen solistischen Qualitäten demonstrieren. Das Ensemble antwortet, von Michael Böttcher klar strukturierend geleitet, markant bewegt und rhythmisch exakt. Erstaunlich harmlos romantisch nicht nur Charles Hubert Hastings Parry als Vertreter des 19., sondern auch die des 20. Jahrhunderts: Robert Lepley und John Taverner. Nein, das war kein Mendelssohn, nie endet die Romantik. Ruhige Abendlieder beschließen den schönen Sommertag. Makellos gesungen, differenziert und rein. Erst Maurice Duruflés „Ubi caritas et amor“ gibt den Choristen die Möglichkeit, mit technischer Brillanz zu glänzen, denn auch Michael Böttchers „Old Irish blessing“ bleibt im volksliedhaften Stil. Doch der Leiter bietet seinen Sängern Stimme um Stimme schöne, differenziert gearbeitete Partien, die sie fein strukturierend nutzen.

Experimente So wäre „Chwalite Gospoda“ von Tschaikowsky das aufregendste Stück des Konzerts mit reich figuriertem, strahlendem Lobgesang, wäre da nicht Mitsängerin Friederike Friedmann und ihre drei Blockflöten. Mit „Hymn“ von Ryohei Hirose weitet sie tonal Vertrautes aus, sie bricht auf zu explosiven Experimenten mit Flatterzunge und Polphonics, unterlegten Vokalisen, kurz allem, was auf so einer kleinen Alt-Blockflöte realisierbar ist. Atemberaubend virtuose Perfektion auch, wenn sie mit einem Prélude von Jacques Hotetterre und arabeskenreich geschmückten Variationen des Marin Marais, mehr noch der „Istampitta tre Fontane“ eines Anonymus fröhliche Vögelchen zwitschern und jubilieren lässt.

Quelle: www.stimme.de

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