30.10.2016

Strahlende Kette edler vokaler Perlen

Vokalensemble alto e basso in der Lorenzkirche Leingarten

Von Ulrich Enzel

HEILBRONN „Die Lilie von Saron“, dieses Symbol reinsten Liebesglücks hat Michael Böttcher sehr sinnreich als Motto für die zwölf Chorwerke des neuen „alto e basso“-Programmes gewählt, denn die Textvorlagen dieser Vokalmusiken beziehen sich – breit gefächert, weltlich wie sakral – fast alle auf vielfältigste Aspekte der Liebe, als Quelle für höchstes Glück wie tiefsten Schmerz.

Seinen Sängern bieten diese, Renaissance und Frühbarock mit der gesamten Bandbreite der Spätromantik verbindenden Kompositionen ideale Möglichkeiten, ihre hohen chorischen Fertigkeiten multipel unter Beweis zu stellen. Und der eigenartige Kirchenraum mit Elementen von der Romanik bis zum Jugendstil schenkt nicht nur stilistisch, auch mit warm umfassender Akustik einen idealen Rahmen für ein so vielfarbiges Lilien-Programm.

Transparenter, stets flächig geschlossener homogener Gesamtklang, strahlende Soprane, ruhig grundierende Bässe, fein ausgeglichene Mittelstimmen – schon Giovanni Pierluigi da Pergolesis leitmotivisches „Sicut lilium inter spinas“ erklingt transparent in weitem Auf- und Abschwingen. Unter Michael Böttchers stets klarem, intensiven Dirigat geschmeidiges, klares Perlen auch des komplex figurierten „Ego dormio, et cor meum vigilat“ von Heinrich Schütz. Perfekte Sprach-Artikulation, kluge, sichere Phrasierungen. Jäher Wechsel zu ruhigem ausgewogenen Klangzauber, dichter Trauermusik in John Bennets „Weep, O mine eyes“, zu wild verzweifeltem, scharfem Aufschrei von Carlo Gesualdos Klage „O Vos Omnes“.

Mit professioneller Sicherheit gelingt die Wandlung in die völlig andere Klangwelt der Romantik. Markantes Deklamieren, fast zu glanzvolle Frauenstimmen gegen die tiefe Schwärze der Bässe. Grenzerfahrungen sicher vermittelt mit „There Is An Old Belief“ von Charles Hubert Parry. Expressive klangliche wie dynamische Schattierungsvielfalt bei Robert Benford Lepleys Auslegung von Rainer Maria Rilkes „My Life“. Gustav Mahlers Rückert-Vertonung „Liebst du um Schönheit“ als edles, vielfältigst strahlendes Kleinod.

Aus solch stets stimmig die breite Verschiedenartigkeit solcher Werke vermittelnden, dicht konzentrierten Interpretationen fällt nur das einzige reine Frauenchor-Werk heraus. Maurice Duruflés Marienverklärung „Tota pulchra es“ gerät überscharf schrill, gar schrill in den höchsten Tönen. Doch schon „Mother of God, here I stand“, in der Vertonung von John Tavener lässt die 20 Vokalisten gemeinsam zu ausgewogenem, schmiegsam samtigem Belcanto zurückkehren, zu dichter Beweglichkeit in Duruflés Gedanken zu „Ubi caritas et amor“.

Girlanden hellsten, klarsten Strahlens zum Abschluss bei Teilen aus Claudio Monteverdis „Missa in illo tempore“, kontrastiert – nach lebhaftem, andauernden Beifall - durch heftige Eruptionen, kantige Schroffheit in dem zugegebenen Stück aus Peter Tschaikowskys „Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus“.

Quelle: Ulrich Enzel

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