04.03.2018

Aufregend neues Klangerlebnis mit Ensemble Alto e Basso

Ensemble alto e basso in der Johanneskirche in Weinsberg

(enz)

WEINSBERG: Das Vokalensemble „alto e basso“ in der Weinsberger Johanneskirche

Eine unerhört neue Hörerfahrungen schenkt diese knapp einstündige Matinee in der Weinsberger Johanneskirche, die im Frühlingslicht strahlend festgefügte, geradezu orthodox beruhigende Sicherheit vermittelt. Doch unter dem Dirigat von Michael Böttcher, das gleichermaßen klare Strukturen setzt, wie energiedichte Emotionalität induziert, rauben die alto-e-basso-Choristen den vielen Zuhörern alles gewohnt-sichere Konzert-Erleben.

Die Vorsitzende des Förderkreises für Neue Musik Heilbronn, Nanna Koch war auf den gerade 21 Jahre jungen Komponisten Johannes Schropp aufmerksam geworden und konnte diesen dazu bewegen, für das engagierte Ensemble ein neues Werk zu schreiben. Und Michael Böttcher konnte seine Ensemblemitglieder motivieren, sich auf eine gewiss mühevolle Probenreise zu begeben. Denn Schropp will Wahrnehmungsverschiebungen induzieren, sucht Erweiterungen des Vokalen, mutiert traditionelle Sing- wie Hörgewohnheiten zu völlig Neuem.

Im ganzen Kirchenraum verteilt/zerstreut, nur durch Stopp-Uhren verbunden, entlocken die Mehralschoristen wassergefüllten Gläsern Blubbertöne, zu denen sich Glasharmonika, Orgel, Melodica, schließlich heftig artikuliertes Sprechen, wenige Vokalisen, nach nicht gelingen wollenden Begegnungen schließlich vor dem Altar zusammengeführt sogar ein paar harmonische Töne fügen – und dann dürfen sie sogar sich selbst beklatschen, bejubeln.

So wünscht man sich jede Uraufführung: die erste Vorstellung von Schropps „facing“ wird verdichtet durch ein intensives Gespräch zwischen Komponist und Dirigent. Und wie völlig anders hören, erfahren die SängerInnen und ihr Publikum nach solchem Klären der Frage: „was haben Sie sich beim Komponieren gedacht?“ die anschließend folgende Wiederholung.

Auch die erneute Begegnung mit heftigem Ringen um Frieden in Michael Böttchers „Da pacem“ wie unterwegs zu Dochharmonischem mit Knut Nysteds „Peace I leave with You“ verändert sich nun zu gänzlich neuen Hörerleben, zwingt zum Transzendieren von Vertrautem. Ja, selbst die beiden Motetten von Heinrich Schütz wandeln sich. Aus Einsingstücken, an welchen der Chor seine ganzen Qualitäten demonstrieren kann: den ausgewogenen Chorklang bei homophonen Abschnitten, wie die bewegliche Klarheit der figurierten, die perfekte Artikulation wie sinnreich fein abgestufte Dynamik, werden im Nachhinein Werke, die ihren ersten Hörern wohl ebenso aufregend neu geklungen haben mögen, wie uns heute die Überschreitungen des Vokalen durch Johannes Schropp.

So vielfältig reich beschenkt will der Beifall kaum enden.

 

 

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